Über den AKS

In der Tradition der Arbeitskreise Kritischer Sozialarbeit der ausgehenden 1960er Jahre gründete sich 2014 der Arbeitskreis Kritische Sozialarbeit an der Hochschule. Unter großer studentischer Beteiligung engagiert sich der Kreis seitdem bei aktuellen sozialpolitischen Entwicklungen in der Region.

 

Gründung des Arbeitskreises

Ab Ende der 1960er Jahre wurde in Deutschland eine Reihe von Arbeitskreisen von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern gegründet, die Kritik an Sozialer Arbeit in ihrer traditionellen Funktion übten und Veränderungen anmahnten. Diese „Arbeitskreise Kritische Sozialarbeit“ (AKS) sind im Kontext der ersten ökonomischen Krise im Postnazismus, den sozialen Protesten der sogenannten“ (68er Bewegung“ APO, SDS etc.) und der ersten bundesweiten Zusammenkunft systemkritischer Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter im November 1969 zu begreifen.

Nachdem sie in späteren Jahren an Bedeutung verloren, änderte sich dies spätestens mit den Verwerfungen des Neoliberalismus, seinen Finanz- und Staatsschuldenkrisen und den großen Migrations- und Fluchtbewegungen. Kritik hat seitdem (auch) in der Sozialen Arbeit wieder Konjunktur. Die Entstehungsgeschichte des Sozialpolitischen Arbeitskreises Ludwigshafen ist insoweit wohl eher untypisch, weil studentisches Engagement große Bedeutung bei seiner Gründung hatte. Ende 2012 wurden nämlich Pläne bekannt, dass das Diakonische Werk Pfalz auf Grund von Sparmaßnahmen erwog, die Schuldnerberatungsstellen in einigen Gemeinden aufzugeben und so Stellen in diesem Bereich einzusparen. Auf diese Problematik und die Prekarisierung der Arbeitsbedingungen der sozialen und Pflegeberufe machten die Studierenden des Fachbereichs Sozial- und Gesundheitswesen im Rahmen einer Aktionswoche im November 2013 aufmerksam und unterstützten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Diakonischen Werks bei einer Protestkundgebung in Speyer.

Ausschlaggebend für die Etablierung des sozialpolitischen Arbeitskreises war dann ein Lehre-Praxis-Dialog am Fachbereich Sozial- und Gesundheitswesen im Mai 2014, der sich mit den Arbeitsbedingungen und dem Stellenabbau in der Sozialen Arbeit befasste und zeigte, dass ein Ort für Diskussionen aus politischer Perspektive und nicht allein im Hinblick auf Arbeitsbedingungen nötig ist. Im November 2014 trafen sich daher in den Räumlichkeiten in der Maxstraße interessierte Praktiker und Praktikerinnen der Sozialen Arbeit, Lehrende des Fachbereichs und Studierende zu einem ersten Treffen.

Arbeitsweise und Ziele des Arbeitskreises

Der Arbeitskreis Kritische Soziale Arbeit Ludwigshafen hat sich auf eine Arbeitsweise verständigt, die teilweise von anderen ähnlichen Formaten abweicht. Im Fokus der Auseinandersetzung stehen weniger die Theorieentwürfe zur Kritik Sozialer Arbeit als vielmehr die Widersprüche und Konflikte konkreter, vorrangig lokaler wie regionaler Praxen Sozialer Arbeit, die Sozialarbeiterinnen und -arbeiter in ihrem beruflichen Alltag erfahren. Auch wenn der Ausgangspunkt für die Gründung die Arbeitsbedingungen waren, so haben wir uns darauf verständigt, dass es ebenso um eine kritische Debatte zu fachlich-inhaltlichen Fragen und zur Situation derjenigen gehen soll, die Soziale Arbeit in Anspruch nehmen. Der Arbeitskreis soll für alle Beteiligten eine Reflexionsebene sowie ein Ort zur Vernetzung sein. Ziel ist es dabei insbesondere, über Möglichkeiten für öffentliche oder politische Interventionen nachzudenken und diese gemeinsam zu verwirklichen

Auftreten des Arbeitskreises nach außen

Erstmals sichtbar nach außen trat der Sozialpolitische Arbeitskreis, als er sich – durch die Hochschullehrer Hans Ebli und Andreas Rein – gegen die zeitweilige Schließung der städtischen Schuldnerberatungsstelle wendete und in Artikeln der Rheinpfalz (vom 18. 5. 2016) und des Mannheimer Morgen (vom 20. 5. 2016) erwähnt wurde. Wegen der Krankheit eines Mitarbeiters und der vorzeitigen Verrentung eines weiteren Mitarbeiters war die Schuldnerberatungsstelle der Stadt ab Februar 2016 für einige Monate nicht besetzt. Die Stadt vertrat die Ansicht, die Schließung habe nicht dazu geführt, dass akute Fälle „weggeschickt“ worden seien. Mitgliedern des Arbeitskreises dagegen sind Fälle bekannt, in denen Betroffene bei unterschiedlichen Stellen vorstellig geworden sind, teilweise ohne dass man ihnen helfen konnte. Die Stadt verwies in dieser Zeit auch auf die Fachstelle für Wohnraumsicherung, die aber allein bei Energiesperren und Mietschulden weiterhelfen konnte, und Angebote der Sozialberatung sowie der Schulden und Insolvenzberatung der BASF Stiftung und der Schuldnerberatung des Diakonischen Werkes für Suchtkranke. Die Letztgenannten wenden sich aber an besondere Personengruppen und sind daher gerade nicht für die Allgemeinheit zugänglich

Namensänderung

Die Mitglieder des Arbeitskreises beschlossen im Frühjahr 2015, den Namen des Zusammenschlusses von „Sozialpolitischer Arbeitskreis“ in „Arbeitskreis Kritische Sozialarbeit“ zu ändern. Hintergrund war, dass sich der Arbeitskreis nicht nur als sozialpolitischer Akteur jenseits des professionellen Feldes der Sozialen Arbeit versteht, sondern vielmehr Kritik an gesellschaftlichen Verhältnissen aus einer dezidiert berufspolitischen Perspektive formulieren will. Zugleich steht der Name in der Tradition der eingangs erwähnten Gründung von Arbeitskreisen Ende der 60er Jahre

Ausblick

Derzeit beobachten wir die bevorstehende Oberbürgermeisterwahl Ludwigshafens insbesondere vor dem Hintergrund der sozial- und stadtpolitischen Entwicklungen sowie ihrer Folgen für all jene, die qua „Zuständigkeit“ in das Blickfeld von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter geraten. Besonderes Augenmerk liegt hierbei auf den städtischen Obdachgebieten und den seit Jahren katastrophalen Bedingungen, unter denen die dort eingewiesenen Menschen leben müssen. Aber auch aktuelle Entwicklungen in der Kinder- und Jugendhilfe, wie beispielsweise die bevorstehenden Veränderungen im achten Sozialgesetzbuch oder die Pädagogisierung freiheitsentziehender Maßnahmen, wie sie derzeitig durch die Änderungen des § 1631b BGB angedacht sind, bleiben im Blick. Um noch breiter analysieren, diskutieren und agieren zu können, freuen wir uns über alle Interessierten in unserer Runde (Kontakt: aks.ludwigshafen@web.de)!

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